Kaum ein Thema hat die Schweizer Trinkwasserdebatte der letzten Jahre so geprägt wie Chlorothalonil. Das Fungizid ist seit 2020 verboten, trotzdem finden sich seine Abbauprodukte heute grossflächig im Grundwasser – und damit auch in vielen Trinkwasserfassungen. Was Chlorothalonil im Trinkwasser für Sie als Haus- oder Wohnungseigentümerin oder -eigentümer bedeutet und welche Massnahmen tatsächlich etwas bringen, lesen Sie hier – sachlich und ohne Panikmache.
Inhaltsverzeichnis
Was ist Chlorothalonil – und warum ist es verboten?
Chlorothalonil ist ein Breitbandfungizid, das seit den 1970er-Jahren in der Schweizer Landwirtschaft gegen Pilzkrankheiten eingesetzt wurde – vor allem im Ackerbau auf Getreide, Kartoffeln und Gemüse sowie im Rebbau. Zwischen 2008 und 2018 wurden jährlich zwischen 32 und 66 Tonnen verkauft; über mehrere Jahre zählte der Wirkstoff zu den zehn meistverkauften Pflanzenschutzmitteln des Landes.
2019 wurde der Wirkstoff auf europäischer Ebene als «wahrscheinlich krebserregend» eingestuft. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) übernahm diese Bewertung, und seit dem 1. Januar 2020 gilt in der Schweiz ein Anwendungsverbot. Rechtlich ist das Thema bis heute aktuell: Das Bundesverwaltungsgericht bestätigte am 20. März 2024, dass die Behörden die Abbauprodukte als toxikologisch relevant einstufen dürfen, und wies im März 2026 einen weiteren Einwand des Herstellers gegen das Verbot ab.
Wie die Metaboliten ins Trinkwasser gelangen
Chlorothalonil selbst ist im Trinkwasser praktisch nicht nachweisbar – es haftet stark an Bodenpartikeln. Zum Thema werden seine Metaboliten: Abbauprodukte, die entstehen, wenn der Wirkstoff im Boden zersetzt wird. Wichtig zur Einordnung: Chlorothalonil-Metaboliten sind chlorhaltige Abbauprodukte eines Fungizids und nicht zu verwechseln mit den industriellen PFAS, den fluorhaltigen «ewigen Chemikalien» aus Beschichtungen oder Löschschäumen. Diese Stoffe sind gut wasserlöslich, sehr langlebig und wandern mit dem Sickerwasser ins Grundwasser. Weil sich Grundwasser nur langsam erneuert und die Metaboliten äusserst persistent sind, werden sie das Schweizer Trinkwasser trotz des Verbots noch über Jahre begleiten.
Die Eawag, das Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs, hat sieben Metaboliten eindeutig im Wasser identifiziert. Sie lassen sich in zwei Gruppen einteilen:
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Gruppe |
Metaboliten |
Typische Höchstkonzentration |
Vorkommen |
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Sulfonsäuren |
R471811, R417888, R419492 |
R471811 bis 2–3 µg/l |
häufig, oft über Grenzwert |
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Phenole |
SYN507900, SYN548580, R611968 |
je unter 0,2 µg/l |
selten über Grenzwert |
Der Metabolit R471811 gilt als Prioritätsmolekül: Er tritt am häufigsten und in den höchsten Konzentrationen auf.
Wie stark ist das Schweizer Grundwasser belastet?
Die Antwort der nationalen Grundwasserbeobachtung NAQUA, betrieben vom Bundesamt für Umwelt (BAFU), ist deutlich: An über einem Viertel aller Messstellen schweizweit liegen die Chlorothalonil-Metaboliten über dem Höchstwert von 0,1 µg/l. Betroffen sind 17 Kantone. Am stärksten belastet ist das Mittelland mit seiner intensiven Ackernutzung – dort überschreitet allein der Metabolit R471811 an mehr als der Hälfte der Messstellen den Grenzwert.
Der Grenzwert von 0,1 µg/l – und wie er einzuordnen ist
Für jeden einzelnen relevanten Pestizid-Metaboliten gilt im Trinkwasser ein Höchstwert von 0,1 µg/l (Mikrogramm pro Liter); für die Summe aller Pestizidwirkstoffe liegt die Grenze bei 0,5 µg/l. Wichtig zu wissen: Dieser Wert beruht auf dem Vorsorgeprinzip und nicht auf einer konkreten Gesundheitsschwelle. Das BLV hält fest, dass vom Trinkwasser auch bei einer zeitweiligen Überschreitung kein kurzfristiges Gesundheitsrisiko ausgeht.
Ein Höchstwert ist also kein Giftschwellenwert, sondern ein Qualitätsziel: Trinkwasser soll möglichst frei von Pflanzenschutzmittel-Rückständen sein. Überschreitungen bedeuten, dass die Wasserversorger die Belastung senken müssen – die Frist dafür läuft gemäss BLV-Weisung bis zum 22. Mai 2026.
Was hilft gegen Chlorothalonil-Metaboliten im Wasser?
Nicht jedes Aufbereitungsverfahren entfernt die Metaboliten gleich gut. Entscheidend ist, dass ein Verfahren sowohl die häufigen Sulfonsäuren als auch die Phenole zuverlässig zurückhält.
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Aufbereitungsverfahren |
Sulfonsäuren |
Phenole |
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Umkehrosmose |
gut geeignet |
gut geeignet |
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Aktivkohle |
eingeschränkt |
gut geeignet |
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Ozonung |
ungeeignet |
gut geeignet |
Die Umkehrosmose ist das einzige der drei Verfahren, das alle Chlorothalonil-Metaboliten wirksam entfernt. Dabei presst Druck das Wasser durch eine halbdurchlässige Membran, deren Trenngrenze so fein ist, dass gelöste Stoffe wie Pestizid-Metaboliten, Nitrat, PFAS oder Schwermetalle zum grossen Teil zurückgehalten werden. Weil die Umkehrosmose dem Wasser auch Mineralstoffe entzieht und ein Konzentrat (Spülwasser) anfällt, gehören eine fachgerechte Auslegung dazu.
Für den Haushalt ist die Umkehrosmose damit die gründlichste Lösung, wenn Pestizid-Metaboliten direkt am Wasserhahn zuverlässig reduziert werden sollen. Ein einfacher Tischfilter mit Aktivkohle stösst bei den gut wasserlöslichen Sulfonsäuren dagegen rasch an seine Grenzen.
Fazit
Chlorothalonil ist verboten, seine Metaboliten bleiben uns aber noch Jahre erhalten – und sie sind in weiten Teilen der Schweiz über dem Höchstwert messbar. Für das Trinkwasser gilt: Eine akute Gefahr besteht laut Behörden nicht, der Wunsch nach möglichst rückstandsfreiem Wasser ist aber berechtigt. Wer sichergehen will, lässt sein Wasser analysieren und setzt bei Bedarf auf eine Umkehrosmose-Anlage.
FAQ zu "Chlorothalonil im Trinkwasser"
Laut BLV geht auch bei einer zeitweiligen Überschreitung des Höchstwerts kein kurzfristiges Gesundheitsrisiko vom Trinkwasser aus. Der Grenzwert von 0,1 µg/l ist ein Vorsorgewert, kein Giftschwellenwert. Dennoch ist das Ziel, die Belastung so gering wie möglich zu halten.
Weil die Abbauprodukte sehr langlebig sind und sich Grundwasser nur langsam erneuert. Fachleute rechnen damit, dass die Werte erst über Jahre zurückgehen.
Ihre Gemeinde oder Ihr Wasserversorger informiert über Grenzwertüberschreitungen. Für Klarheit am eigenen Wasserhahn sorgt eine individuelle Wasseranalyse (zB. UFAG.ch).
Das hängt vom Verfahren ab. Eine Umkehrosmose entfernt alle Metaboliten wirksam; Aktivkohle wirkt vor allem gegen die Phenole und bei den häufigen Sulfonsäuren nur eingeschränkt, ist aber relativ schnell erschöpft.
Das hängt von Umfang und Haushalt ab. Am besten lassen Sie sich beraten – SWS unterstützt Sie bei der Auswahl der passenden Lösung.

